Die beste Weltkarte für Barrierefreiheit

Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen findet jedes Jahr am 3. Dezember statt, und OpenStreetMap begeht diesen Tag mit dem erklärten Ziel, die beste Weltkarte für Barrierefreiheit zu sein. OpenStreetMap ist schon lange eine Anlaufselle für offene Daten rund um Themen mit Bezug zu Behinderung.

Welche öffentlichen Orte sind für Menschen mit Behinderung zugänglich? Informationen zur Barrierefreiheit sind schwer zu finden und tauchen in gängigen Verzeichnissen und Apps nicht auf. Das macht die Teilhabe am täglichen Leben schwer.
Folie von WheelMap, Foto von Andi Weiland, gesellschaftsbilder.de

Wir haben Community-Mitglieder auf der accessibility-Mailingliste gefragt, warum und wie OpenStreetMap so nützlich ist.

Jean-Marie Favreau von der Université Clermont Auvergne erklärt…

The strength of OpenStreetMap is that it allows anyone to contribute accessibility data, whether they are local authorities, user associations, or individual contributors. Being a global project, it facilitates the sharing of observations and learnings of how the equipment, habits and practices of accessibility vary in different coutnries. Finally, the data is in a commons and managed by a community, so it more accurately reflects the reality of the territories it maps.

Nick Bolton von der University of Washington ergänzt…

When people with disabilities seek out map information, they find that accessibility information is missing or doesn’t account for their personal preferences; neither companies nor government agencies are consistently creating connected pedestrian map data flexible enough to meet the diversity of pedestrian concerns expressed by people with disabilities. OpenStreetMap is well-suited to fill this informational gap as it has a flexible and democratically extensible data model, can be mapped out by locals without waiting for an agency or company to dedicate resources or take on liabilities, and all data is immediately published and examined by the public.

Wir freuen uns, dass OpenStreetMap diese Bedürfnisse abdecken kann. Im Folgenden stellen wir einige der Anwendungen für Menschen mit Behinderungen vor und erklären, wie man selbst beitragen kann.

Anwendungen für Barrierefreiheit

Es gibt viele Anwendungen und Forschungsprojekte für Menschen mit Behinderungen, die OpenStreetMap nutzen, um Daten zu Barrierefreiheit zu sammeln und zu teilen, und um diese Daten in geeigneter Weise darzustellen.

Eine der bekanntesten Anwendungen für das Erfassen und Teilen von Informationen zur Barrierefreiheit ist Wheelmap. Wheelmap hilft dabei, die Barrierefreiheit von Einrichtungen herauszufinden und zu erfassen. Es gibt auch Apps für Android and iPhone. Wheelmap führt derzeit eine Kampagne zur Erfassung der Barrierefreiheit von Covid-19-Testzentren durch. Svenja Heinecke hat Wheelmap auf der State of the Map 2018 ausführlicher vorgestellt.

 Daten zu Gehsteigen sind entscheidend für die barrierefreie Navigation. OpenSidewalks entwirft Tagging-Schemata und Werkzeuge, um die Barrierefreiheit von Gehsteigen zu erfassen, und das Schwesterprojekt AccessMap erstellt individualisierte Routingpläne für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Beides sind Projekte des Taskar Center an der University of Washington. Dieser Ansatz wurde von der italienischen OpenStreetMap-Community in Padua und Mailand aufgegriffen, mit Beiträgen von Menschen mit Behinderungen, Schülern und anderen neuen Mappern.

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die Navigation in Innenräumen. Hierauf konzentriert sich das Projekt AccessbileMaps der Technischen Universität Dresden in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie. Sie entwickeln Werkzeuge für die Erfassung von Gebäuden mit dem Simple-Indoor-Tagging-Schema, mit einem Fokus auf Information zu Barrierefreiheit, und produzieren Anwendungen, die OSM-Indoordaten nutzen, um blinden, sehbehinderten und mobilitätseingeschränkten Personen die Wegeplanung zu ermöglichen.

Ein Nutzer ertastet mit den Händen die erhabenen Linien und Flächen auf einer rechteckigen, aus Kunststoff gefertigten Karte eines Staddteils
Eine mit 3D-Druck und Touch Mapper erstellte taktile Karte in Benutzung

Diese Daten müssen dann in geeigneter Weise dargestellt werden, und dabei die Vielfalt und der Innovationsreichtum der Ansätze sind beeindruckend.

Taktile Karten helfen blinden oder sehbehinderten Menschen bei der Orientierung in ihrer Umgebung. Touch Mapper nutzt 3D-Druck zur Erstellung taktiler Karten aus OSM-Daten.

Soundscape von Microsoft Research hilft Nutzern mit Seheinschränkungen, sich bessere gedankliche Karten ihrer Umgebung aufzubauen. Mit Audiobeschreibungen von Orten können sie auf natürliche und intuitive Art ihre Umgebung erkunden und fühlen sich in neuen Umgebungen wohler und besser vernetzt. Die App setzt auf OpenStreetMap-Daten.

Das Compas-Forschungsprojekt an der Universität Clermont Auvergne entwickelt ACTIVmap in Partnerschaft mit anderen Forschern aus der akademischen Welt und der Privatwirtschaft, um multimodale Karten zu bauen, die taktiles, akustisches und haptisches Feedback nutzen, um geografische Daten darzustellen und mit ihnen zu interagieren.

Wie kann ich helfen?

StreetComplete fragt den Nutzer, welche Art von Rampe es an einer Treppe gibt.
StreetComplete-Quest zur Bearbeitung von Informationen zur Barrierefreiheit

Du kannst Tags mit Bezug zu Behinderungen natürlich mit gängigen OpenStreetMap-Editoren wie JOSM und iD oder mobilen Apps wie VespucciStreetCompleteOsmAND, und Go Map!! erfassen.

Das OpenStreetMap-Wiki hat einen umfassenden Überblick zu Tags, die für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen nützlich sind. Hier nur ein paar Beispiele, viele davon können mit StreetComplete schnell und einfach erfasst werden:

  • Blindenleitsysteme (tactile_paving=yes/no) und taktile Karten (information=tactile_map)
  • Stellplätze (amenity=parking_space + access=no + disabled=yes/designated)
  • Tonsignale an Ampeln (traffic_signals:sound=yes/no)
  • Information zu Treppen, etwa das Vorhandensein von Handläufen (handrail:left/right/center=yes/no), die Anzahl der Stufen (step_count=*) sowie die Existenz von Rampen (ramp=yes/no) und deren Typ
  • Rollstuhlzugänglichkeit von Läden und anderen Einrichtungen (wheelchair=yes/limited/no) sowie Toiletten (toilets:wheelchair=yes/no)

Viele andere Wege, um zu helfen, sind ebenfalls im Wiki dokumentiert. Du kannst OpenStreetMap beispielsweise Freunden vorstellen, die eine Behinderung habne, und sie fragen, was OSM für sie nützlicher machen würde. Du kannst eine Mapping-Party mit Fokus auf diese Arten von Objekten organisieren, die Wiki-Seiten in andere Sprachen übersetzen oder neue Anwendungen für Menschen mit Behinderungen entwickeln.

Das offene Tagging-System von OSM entwickelt sich stetig weiter. Wenn für etwas noch die richtigen Tags fehlen, kannst du dabei helfen, sie zu etablieren.

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